Die Deutschen spenden jährlich einige Milliarden Euro. Wie man beim Spenden gleichzeitig Steuern spart, erläutert Michael Leistenschneider, der Präsident der Steuerberaterkammer Saarland: „Wer spenden will, muss einige Dinge beachten, damit er die gute Tat auch steuerlich geltend machen kann. Wesentliche Voraussetzung ist zum Beispiel, dass die Spende an eine steuerbegünstige Organisation geht.“ Spenden können grundsätzlich als sogenannte Sonderausgaben in der Einkommensteuererklärung abgezogen werden. Ab dem Steuerjahr 2017 entfällt dabei zwar die Pflicht, die Spendenbescheinigung mit der Steuererklärung einzureichen. Der Nachweis muss jedoch sorgfältig aufbewahrt und auf eventuelle Nachfrage des Finanzamts vorgelegt werden.

Was ist eine Spende?
Eine Spende ist eine freiwillige Ausgabe für einen religiösen, wissenschaftlichen, gemeinnützigen, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Zweck, für die man keine Gegenleistung erwartet. Spenden können in Geld oder Sachleistungen bestehen oder in einem Verzicht auf Arbeitsentgelt für geleistete Arbeit (Zeitspende). Am häufigsten wird Geld gespendet. Unter Sachspenden sind Kleider, Möbel, Fußbälle, Präsentkörbe oder andere Gebrauchsgegenstände zu verstehen. Bei einer Zeitspende wird dem Verein die eigene Arbeitszeit geschenkt. Direkte Spenden an Bedürftige oder in den Klingelbeutel beim sonntäglichen Kirchenbesuch erkennt das Finanzamt nicht als Spende an. Damit der Steuerpflichtige eine Zuwendung von der Steuer absetzen kann, muss er sie an eine steuerbegünstigte Organisation leisten.

Was sind steuerbegünstigte Organisationen?
Zu den steuerbegünstigten Organisationen gehören z. B. Kirchen, Universitäten, staatliche Museen, gemeinnützige Vereine und Stiftungen, aber auch politische Parteien. Letztere haben eine besondere Stellung im Steuerrecht. Die mit der Spende bedachte Organisation kann ihren Sitz auch in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union haben; in diesem Fall müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Spende abziehbar ist.

In welcher Höhe kann man Spenden absetzen?
Bei einer Geldspende steht die Höhe der Spende fest. Sachspenden sind grundsätzlich mit dem Markt- bzw. Verkehrswert abziehbar. Dieser Wert ist einfach zu ermitteln, wenn der gespendete Gegenstand noch neu ist: Dann ist der Wert identisch mit dem Einkaufspreis, den der Spender durch den Kaufbeleg nachweisen kann. Bei gebrauchten Gegenständen wird der Wert durch den Preis bestimmt, der bei einem Verkauf zu erzielen wäre. Dabei spielen natürlich die Art des Gegenstandes und sein Zustand eine bedeutende Rolle. Vor allem aber richtet sich der Preis nach der Nachfrage, ob nämlich überhaupt jemand einen solchen Gegenstand kaufen und dafür einen Preis zahlen würde. Bei einer Zeitspende hat der Spender im Vorfeld der Tätigkeit schriftlich mit dem Verein eine angemessene Vergütung vereinbart – und verzichtet später auf das Geld. In diesem Fall ist die ausbleibende Vergütung für geleistete Dienste der Spendenbetrag.

Spenden an politische Parteien sind besonders begünstigt. Diese sind für Singles bis zu einer Höhe von insgesamt 3.300 Euro, bei Verheirateten bis 6.600 Euro (Höchstbetrag) steuerbegünstigt. Sie mindern zuerst direkt die Steuerschuld. Die Ermäßigung beträgt 50 Prozent der Spende, höchstens jeweils 825 Euro bei Singles und 1.650 Euro bei Verheirateten. Darüber hinaus können die Spenden dann bis zum Höchstbetrag als Sonderausgaben abgezogen werden.

Sonstige Spenden sind bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte als Sonderausgaben absetzbar. Nehmen wir an, ein lediger Arbeitnehmer (Einkünfte = 30.000 Euro) spendet 150 Euro an eine gemeinnützige Organisation. Überschlägig könnte er allein durch den Sonderausgabenabzug der Spende im Rahmen der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2018 50 Euro Steuern sparen.

 Spendenbescheinigungen müssen nicht mehr mit der Steuererklärung eingereicht werden.
Auf eine Neuerung weist Kammerpräsident Leistenschneider besonders hin: „Erstmals ab dem Steuerjahr 2017 müssen Steuerpflichtige Belege und Nachweise nicht mehr ihrer Steuererklärung beifügen. Dies gilt auch für Spendenbescheinigungen. Das bedeutet aber nicht, dass sie keine Nachweise mehr brauchen: Das Finanzamt kann jederzeit den Nachweis anfordern, soweit der Zuwendungsempfänger die Bestätigung nicht bereits elektronisch an die Finanzverwaltung übermittelt hat.“

Steuerpflichtige sollten deshalb immer darauf achten, dass ihnen die Organisation oder der Verein, für den sie spenden, eine Spendenquittung ausstellt. Erfreulicherweise gibt es in folgenden Fällen eine vereinfachte Nachweisführung:

  • Spenden zur Hilfe in Katastrophenfällen,
  • Spenden bis 200 Euro an gemeinnützige Organisationen,
  • Spenden bis 200 Euro an eine staatliche Behörde,
  • Spenden bis 200 Euro an eine politische Partei.

Als Spendennachweis genügt hier dem Finanzamt der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung der Bank (Kontoauszug, Lastschrifteinzugsbeleg oder der PC-Ausdruck bei Onlinebanking). Auch Spendennachweise über Online-Zahlungsservices (z. B. PayPal) sind möglich. Zuwendungsbestätigungen und Nachweise, die nicht vom Finanzamt angefordert worden sind und nicht elektronisch übermittelt wurden, sind grundsätzlich vom Steuerpflichtigen bis zum Ende des Jahres nach Bekanntgabe des Steuerbescheides aufzubewahren.

„Bei Fragen zur Abziehbarkeit einer Spende sollte der Steuerpflichtige idealerweise einen Steuerprofi einschalten“, empfiehlt Michael Leistenschneider. Orientierungshilfe bei der Suche nach einem qualifizierten Berater gibt der Steuerberater-Suchdienst auf der Website der Steuerberaterkammer Saarland unter www.stbk-saarland.de.

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